„Ein Mann ist stark, wenn er sich seine Schwäche eingesteht“ schrieb der französische Schriftsteller Honoré de Balzac im 19. Jahrhundert. Dass dieses Bewusstsein noch lange nicht in den Köpfen von Top-Managern angelangt ist, zeigt der Coaching-Alltag.
So komplex die Vorgänge in einer Krise sind, so einfach und transparent ist das Vokabular dazu: Hebel, Schnitt und Schirm sollen Übersichtlichkeit schaffen.
Neuer Kooperationspartner bei SCHUPPENER KOMMUNIKATION ist das PAN Prevention Center in Köln
Es schreibt für Sie: Julia Kreuteler
Unternehmen und ihr Management haben in der Gesellschaft eine eigene Verantwortung, in kritischen Situationen sogar eine ganz besondere. Ihre Leistungsfähigkeit und ihre Innovationskraft sind entscheidende qualitative Wirtschaftsfaktoren. Zur Bemessung reichen allerdings die Klassiker wie der Grad an Wertschöpfung oder die Struktur der Unternehmensorganisation nicht mehr aus. Shareholder- treffen auf vielfältige Stakeholder-Interessen, und alle wollen möglichst gleichermaßen zufriedenstellend bedient werden. Entsprechend komplex sind die Situationen, in denen sich Manager für Inhalt und Form eines Statements entscheiden müssen. Ohne klare Wertevorstellungen kann dies kaum überzeugend gelingen.
Die ethische Grundhaltung des "ehrbaren Kaufmanns" mag aus der Mode gekommen sein, war jedoch selten so relevant wie heute, inmitten der Krise. Die Unternehmen stehen zunehmend unter Legitimationsdruck. Ein Beispiel: Bleiben exorbitant hohe Managergehälter trotz getroffener Fehlentscheidungen faktisch unberührt, ist der Kontrast zu kaufmännischer Ehrbarkeit besonders gut sichtbar. Auch die Einstellung, ethisches Verhalten als unvereinbar mit einer erfolgreichen Tätigkeit im wettbewerbsorientierten Markt zu verurteilen oder die Einhaltung moralischer Standards als Kostenfaktor zu verleumden, trägt wenig zur Wiederherstellung von Glaubwürdigkeit bei. Zu viele Fälle von Maßlosigkeit und Ungeschicklichkeiten haben die Forderung nach werteorientierter Unternehmensführung unüberhörbar laut werden lassen.
Mittlerweile ist ein kritischer Punkt in der Glaubwürdigkeit von Unternehmen und Managern erreicht. Es ist dringend nötig, ethische Grenzen und Normen des freien wirtschaftlichen Handelns nicht nur zu akzeptieren, sondern auch selber zu formulieren. Und das gilt nicht nur für die Unternehmen. Trotz zahlreicher, in den 1990ern populär gewordener Visionen und Leitbilder ist die Entfremdung zwischen Unternehmen und Gesellschaft weiter gewachsen. Der Anspruch ist daher besonders an die Führungskräfte gestellt, durch das Vorleben ethischer Werte selbst zum Leitbild zu werden.
Die Überzeugung darf sich nicht nur im Lippenbekenntnis ausdrücken. Sie muss von innen kommen, aus einer entwickelten Persönlichkeit heraus. Dabei spielt das persönliche Wertesystem eine Rolle, und auch das Training des Verhaltens in Konfliktsituationen. Dem muss eine Bereitschaft zum ethischen Verhalten zugrunde liegen, die es zu fördern und auszubilden, nicht aber anzuordnen oder anzuerziehen gilt.