„Wir müssen Ihnen leider eine Absage erteilen - bitte nehmen Sie es nicht persönlich“, „Wir haben uns für einen Mitbewerber entschieden - bitte nehmen Sie es nicht persönlich - dieser verfügt einfach über mehr Erfahrung“ - typische Sätze wie diese aus Bewerbungssituationen kennen wir alle aus ganz unterschiedlichen Kontexten, seien es nun berufliche oder private. Dass unser Gesprächspartner Ablehnung jeglicher Form persönlich nehmen könnte, scheint uns ein Graus. Warum eigentlich?
„Meine Kollegin ist so langsam, also verzögert sich die Abgabe der Präsentation“, „mein Chef hat immer schlechte Laune, deswegen bin ich so unmotiviert“, „meine Teamkollegen sind immer so unfreundlich - die treiben mich regelrecht in die Arme von Headhuntern“. Schon klar! Schuld haben grundsätzlich die anderen!
Jetzt also wieder „Mobbing“ - das war mein erster Gedanke beim Anblick des Titels der Zeitschrift Der Spiegel vom 16. April 2012. Und im Grunde war es ja auch nur eine Frage der Zeit, bis dieses Thema es wieder auf eine Titelseite schafft. Verwundert war ich nicht, eher bestätigt, hatte ich es doch erwartet.
Es schreiben für Sie: Julia Kreuteler und Nina Schuppener
Soeben hat die Gesellschaft für deutsche Sprache den Ausdruck "Wutbürger" zum Wort des Jahres 2010 gekürt. Darunter ist die Empörung der Bevölkerung zu verstehen, dass politische Entscheidungen über ihren Kopf getroffen werden. Die GfdS betont, dass es sich dabei um die Dokumentation eines Zeitzeugnisses handele, mit dem keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden sei. Deshalb fühlen wir uns bei SCHUPPENER KOMMUNIKATION frei, dem unser eigenes Wort des Jahres an die Seite zu stellen.
Die Suche nach der Sicherheit
Wäre es rein nach der Häufigkeit der Verwendung gegangen, hieße unser Wort 2010 "Kundenwunsch". Denn selten haben wir unsere Auftraggeber so skeptisch und in gewissem Maß auch verunsichert erlebt wie dieses Jahr. Offenbar hat sich in der Beraterszene mit der Krise 2008/2009 ein starker Hang zur Selbstüberschätzung entwickelt. Eine Erklärung dafür ist leicht gefunden: In instabilen Zeiten verkauft sich nichts so gut wie Sicherheit. "Wir wissen, was wir tun!" Neue Information, wie sie Kunden aus ihrer spezifischen Geschäftssituation, ihren eigenen Vorstellungen und Erwartungen mitbringen, erzeugt aber zunächst einmal Unsicherheit. Das galt es jedoch in der Krise - und besonders im verschärften Wettbewerb - unter allen Umständen zu vermeiden. Und so wurde häufig einfach auf die Auftragsklärung verzichtet und direkt zur Präsentation der vermeintlich wasserdichten Lösung übergegangen. Daraus resultierten dann Leistungen, die mit dem eigentlichen Kundenwunsch nur noch wenig zu tun hatten. Ihm wurde zwar Erfolg versichert, aber diese Versicherung setzte weder auf seine Kenntnisse noch auf seine Erfahrung, sondern rein auf das Prinzip Hoffnung. Er sollte einfach glauben, dass hier jemand besser Bescheid weiß als er selbst.
Wer hofft, sieht keine Alternative mehr
Sicherlich ist das eine oder andere Projekt dieser Art trotzdem erfolgreich ausgegangen. Vertrauen konnte so jedoch nicht entstehen. Diesen Mangel haben wir dieses Jahr bei einigen unserer neuen Geschäftspartner und Auftraggeber sehr deutlich gespürt. Und so haben wir deren Wünsche bei unserer Arbeit betont häufig verbalisiert - als Signal, dass wir zuhören und mit neuer Information sehr wohl umgehen können, sowie als Kontrapunkt zu der unsäglichen Worthülse "Vertrauen Sie uns einfach!".
Vertrauen ist mit hohen Erwartungen verknüpft
Nach Quantität hätte also der Kundenwunsch unser Wort des Jahres 2010 sein müssen. Aber uns ging es bei der Wahl auch um Qualität und wir stellten fest, welche Kraft im Vertrauen liegt. Denn fehlt es oder wird gar zerstört, was in Sekundenschnelle passieren kann, ist der Schaden kaum wieder gutzumachen. Bildet es sich aber, besteht und festigt sich, ist Vertrauen im unternehmerischen Leben ein unschätzbares Gut. Der Weg dorthin ist freilich kein leichter. Vertrauen beschreibt eine Erwartung, die kennen muss, wer es sich verdienen will. Vertraut wird nur dem, der sich im gleichen Kontext von Moral und Werten bewegt, der glaubwürdig, verlässlich und authentisch ist.
Eine Verdienstleistung
So ist Wünsche zu erfüllen zwar unser Selbstverständnis. Unser wichtigstes Anliegen aber, die Motivation für jede unserer Leistungen ist es, uns Vertrauen zu verdienen. Und es sind ganz besondere Tage für uns, wenn wir dieses ausgesprochen bekommen, wie von diesem Mandanten, der im Herbst dieses Jahres schrieb: "Das Schöne an der Zusammenarbeit mit Ihnen ist, dass ich Ihnen wirklich alle Details erklären kann - nicht nur, weil Sie sie verstehen, sondern weil sie in Ihren Händen gut aufgehoben sind. Ich weiß, dass ich Ihnen vertrauen kann."
Wir danken Ihnen, unseren Lesern, Auftraggebern und Geschäftspartnern, für das Vertrauen, das Sie uns im scheidenden Jahr entgegengebracht haben. Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien frohe Festtage und einen exzellenten Start in das Jahr 2011!