„Ein Mann ist stark, wenn er sich seine Schwäche eingesteht“ schrieb der französische Schriftsteller Honoré de Balzac im 19. Jahrhundert. Dass dieses Bewusstsein noch lange nicht in den Köpfen von Top-Managern angelangt ist, zeigt der Coaching-Alltag.
So komplex die Vorgänge in einer Krise sind, so einfach und transparent ist das Vokabular dazu: Hebel, Schnitt und Schirm sollen Übersichtlichkeit schaffen.
Neuer Kooperationspartner bei SCHUPPENER KOMMUNIKATION ist das PAN Prevention Center in Köln
Es schreibt für Sie: Julia Kreuteler
Je häufiger Fälle von Bestechung, Vorteilnahme oder Bespitzelung in die Schlagzeilen geraten, desto schwieriger wird es für Unternehmen, eine ordnungsgemäße und verantwortungsbewusste Führung ihrer Geschäfte nachzuweisen. Compliance-Systeme zur Einhaltung gesetzlicher Vorgaben greifen offenbar nicht weit genug; sie können weder die nötige Transparenz noch die gewünschte Glaubwürdigkeit erzielen. Nun sollen Corporate-Social-Responsibility-Programme helfen, ehrbare Absichten der Wirtschaft in der Gesellschaft bekannt zu machen.
Das Problem: Die noch so spektakuläre Geldspende eines Unternehmens reicht allein nicht aus, um einzelnen Managern eine ethische Grundgesinnung zu attestieren. Wie also muss ein freiwilliger Beitrag zum Gemeinwohl aussehen, um vertrauensbildend zu wirken? Werfen wir zunächst einen Blick zurück:
Die Forderung nach Ausgleich der "sozialen Kosten"
Die Diskussion um gesellschaftlich verantwortliche Unternehmensführung und gesellschaftsbezogenes Engagement hat eine lange Geschichte. Wir kennen sie in Deutschland spätestens seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert, als Großunternehmen die ersten Maßnahmen zur Arbeiterwohlfahrt ergriffen. Dahinter stand - und steht bis heute - die Forderung, dass die aus der Unternehmenstätigkeit entstehenden "sozialen Kosten" vom Verursacher selbst getragen und nicht auf das Allgemeinwohl abgewälzt werden.
Die Erwartung eines aktiven Beitrags zur Lösungsfindung
Neben diese regulierende, reaktive Aufgabe wurde im Verlauf der Zeit die Erwartung gesetzt, dass die Unternehmen im Rahmen ihrer Möglichkeiten aktiv an der Lösung von Gemeinschaftsproblemen verschiedenster Art mitwirken, die mit ihrem bisherigen ökonomischen Unternehmenszweck in keinem Zusammenhang stehen. Hieraus sind die heutigen CSR-Programme entstanden - integrierte Unternehmenskonzepte, die alle sozialen, ökologischen und ökonomischen Beiträge zur freiwilligen Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung umfassen. Hierdurch sollen Transparenz, ethisches Verhalten und Respekt vor Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern zum Ausdruck gebracht werden. CSR umfasst dabei auch Aspekte der Unternehmensführung (Corporate Governance) sowie des bürgerschaftlichen Engagements (Corporate Citizenship). Nicht zuletzt schließt der Begriff noch eine ethische Dimension mit ein: Demnach soll sich nicht nur das Unternehmen, sondern auch jeder Mitarbeiter regelkonform verhalten. Und darunter sind dann auch die selbstgesetzten Standards sowie moralischen Grundsätze zu verstehen, mit denen ein "ordnungsgemäßes Verhalten" sichergestellt werden kann.
Der Lohn für gesellschaftsbezogenes Engagement
CSR-Programme werden also nicht aus reiner Menschenliebe aufgesetzt. Verantwortungsbewusstes Handeln wird für Konzerne zunehmend zum Wirtschaftsfaktor und kann im globalen Wettbewerb entscheidende Vorteile bringen. Soziales Engagement und nachhaltiges Wirtschaften werden beispielsweise von Rating-Agenturen als Beweis für Zukunftsfähigkeit gewertet und von den Finanzmärkten entsprechend honoriert. Am geeigneten Instrumentarium, um diesen Wert in Zahlen ausdrücken zu können, fehlt es noch. Aber verschiedene Studien belegen bereits, dass CSR-Maßnahmen sowohl die Motivation der Mitarbeiter steigern als auch den Markennamen einer Firma aufwerten können.
Rede über Gutes, aber tu es auch!
Voraussetzung für den Erfolg ist allerdings, dass die Beiträge zur Nachhaltigkeit nicht allein zu PR-Zwecken dienen. Denn es ist leicht zu erkennen, ob ein Unternehmen lediglich einen aufsehenerregenden Betrag für die Opfer einer Flutkatastrophe bereitstellt oder sich die Manager tatsächlich mit der Nachhaltigkeitsthematik identifizieren und Fragen der Mitarbeiterführung, der Fairness oder der Integrität im Geschäftsgebaren ernst nehmen.
CSR-Programme lassen nicht zwangsläufig Aussagen über das ethische Bewusstsein eines Unternehmens und seiner Führungskräfte zu. Umgekehrt wird in vielen Unternehmen ethisch gehandelt, ohne dies zu thematisieren oder in CSR-Maßnahmen zu übersetzen. Gerade kleinere und mittelständische Unternehmen sind sich über eine genauere Kenntnis ihrer Mitarbeiter der gesellschaftlichen Bedeutung ihrer Funktion bewusst. Sie handeln nach einer Art innerem Kompass, der Großunternehmen mit ihrer Orientierung auf Gewinne und Renditen und ihrem Vertrauen, dass die Regularien des Markts schon alles in die richtigen Bahnen lenken, offenbar abhanden gekommen ist. Jedenfalls wird dieser Umstand häufig herangezogen, um das Fehlverhalten von Führungskräften zu erklären.
Authentizität ist der Schlüssel zur Glaubwürdigkeit
So betrachtet scheint es sich beim zwar skandalösen, doch lediglich punktuell auftauchenden Versagen einzelner Manager nicht um einen allgemeinen Verfall der Sitten, sondern eher um einen Fehler im System zu handeln. Dem kann mit dem Festschreiben von Verhaltensrichtlinien oder der Entscheidung über freiwilliges Engagement sehr wohl entgegengewirkt werden. Denn allein die Diskussion darüber rückt Fragen nach der Unternehmensethik in den Blickpunkt unternehmerischen Handelns, trägt zur individuellen Bewusstseinsbildung bei und schafft damit die Grundlage für authentisches Handeln.