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12.07.2010

Führungsnachwuchs setzt auf Unternehmensethik

Um den Ruf von Managern ist es in Krisenzeiten schlecht bestellt. Ein Schwur auf Werte und Verantwortung soll MBA-Absolventen davor bewahren, noch vor Berufsstart Schaden zu nehmen.

Inmitten der Weltwirtschaftskrise sind die Vorwürfe gegen die Manager immer lauter geworden: Sie wären mit ihrer Verantwortung nicht gewissenhaft umgegangen, hätten dem Profit und den eigenen Interessen gehuldigt. Diesem negativen Image, das auf den Ruf des gesamten Berufsstands abstrahlt, wollten die Harvard-Absolventen des Jahres 2009 entgegenwirken. Die Hälfte von ihnen schwor auf der Abschlussveranstaltung, künftig dem Allgemeinwohl zu dienen, mit äußerster Integrität zu handeln und sich weltweit für einen nachhaltigen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Wohlstand einzusetzen.

Der Auslöser für die Studenten-Initiative

Größter Arbeitgeber der Harvard-MBA-Studenten aus den vergangenen Jahren ist die New Yorker Wall Street. Und nirgends sonst sind die Vorwürfe schwerer als dort, für die Krise mitverantwortlich zu sein. Dagegen wollte sich der Absolventenjahrgang 2009 abgrenzen und mit seinem Eid eines klar machen: Nicht alle Manager sind so gierig und rücksichtslos, wie Systemkritiker es bemängeln.

Der grundsätzliche Anspruch

Dem (Be-)Ruf des Managers haftet das Profitorientierte, zuweilen Ruchlose an. Es gibt zahlreiche Bemühungen, ihn in eine angesehene Profession zu verwandeln, vergleichbar mit der des Anwalts oder Arztes. Daraus entstand die Idee eines Manager-Eids, der Selbstverpflichtung zu etwas Ehrenhaftem. Und nicht nur in Harvard überlegt man, wie sich das Image der Top-Manager wieder aufpolieren lässt. Kürzlich haben führende Wissenschaftler die Stiftung "The Oath Project" gegründet, die zum Ziel hat, einen Berufscode für Manager zu etablieren. Die European Business School EBS im hessischen Oestrich-Winkel ist federführend mit dabei.

Ein sehr allgemeines Versprechen

Anders als bei Arzt und Patient oder Anwalt und Mandant ist derjenige, auf den der Manager seinen Eid fokussiert, nicht eindeutig zu erkennen. Was das Gemeinwohl umfasst, darüber lässt sich so schnell keine Einigkeit finden. Das Versprechen, die Interessen von Stakeholdern, von Kollegen, Kunden und der Gesellschaft zu beschützen, könnte die Shareholder zu kurz kommen lassen. Darüber hinaus ist auch die Form des Schwurs vielen Kritikern zu pauschal: Das Versprechen, in gutem Glauben zu handeln oder sich ethisch verhalten zu wollen, sei zu schwer zu definieren, zu wenig verbindlich, ein Verstoß dagegen ließe sich kaum ahnden.

Den Worten müssen Taten folgen

Deshalb ist es unverzichtbar, den Worten dann auch Taten folgen zu lassen, die sich durch verantwortungsbewusstes Verhalten und eine werteorientierte Unternehmensführung auszeichnen. Ein Ehrenschwur ohne anschließendes Roll-out ist sinnlos. Zum Bekenntnis gehören Definition und Auslegung, so dass allen vom Management betroffenen Share- und Stakeholdern eine Überprüfbarkeit geboten wird, ob sich die Selbstverpflichtung auch im Verhalten niederschlägt.

Julia Kreuteler


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